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Leben und Werk Emmi Piklers
 
Emmi Pikler wurde 1902 als einziges Kind einer Kindergärtnerin und eines Handwerkers in Wien geboren. 1908 ging die Familie nach Budapest. Anlässlich ihres Medizinstudiums kehrte Emmi Pikler nach Wien zurück. Sie promovierte 1927 an der Wiener Universitäts–Kinderklinik, die das Augenmerk auf die Gesunderhaltung der Kinder legte und Medikamente soweit als möglich durch erzieherische Interventionen ersetzte. Sie vertrat die damals revolutionäre Anschauung, dass sich Kinder durch freie Bewegungsentwicklung ganzheitlich am Gesündesten entwickeln.
Durch den Austausch mit ihrem Mann, Mathematiker und Pädagoge wurde sie in ihren entwicklungsphysiologischen Überlegungen bestätigt. Gemeinsam entschieden sie bei der Geburt Ihres ersten Kindes im Jahre 1931, ihm die freie Bewegungsentwicklung zu ermöglichen und diese geduldig abzuwarten.
„Sie war der Überzeugung, dass die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit eines Babys nicht nur seine motorische Entwicklung behindere, sondern sich auch auf sein kognitives Wachstum, seine sozialen Fähigkeiten und seine Persönlichkeit auswirke."
Die Familie lebte in Triest und Budapest. 1935 wurde Emmi Pikler auch in Ungarn als Kinderärztin anerkannt. Von Anfang an war es ihr Ziel, die gesunde Entwicklung des Kindes zu ermöglichen. Durch die Erfahrung mit ihrer Tochter wusste sie, dass ein Kind nicht zu Bewegungen und zum Spiel angeregt werden muss und dass jedes Detail im Umgang mit dem Kind in seiner Umgebung wichtig ist.
1938 erschien das erste Buch von Emmi Pikler. Es resultierte aus vorhergehenden Vorträgen und Aufsätzen über die Pflege und Erziehung von Säuglingen und Kleinkindern.
1946 gründete sie das Säuglingsheim Lóczy, das sie bis 1979 leitete. Nach ihrer Pensionierung führte sie weiterhin die wissenschaftliche und beratende Tätigkeit im Lóczy durch, ihr Steckenpferd blieb weiterhin die freie Bewegungsentwicklung als Voraussetzung für eine gesunde ganzheitliche Entwicklung.
Ihre Arbeit fand in den letzten Jahren ihres Lebens im In- und Ausland immer mehr Anerkennung. 1984 starb Emmi Pikler mitten aus dem Schaffen heraus nach kurzer, schwerer Krankheit.
Ihre Prinzipien und Theorien sind während ihrer Arbeit als Familienärztin und langjähriger Leiterin eines Säuglingsheimes in Budapest entstanden.
Das von Emmi Pikler 1946 gegründete Säuglings- und Kinderheim "Lóczy" in Budapest wird heute von der Kinderpsychologin Anna Tardos geleitet.
 
Wie alle revolutionären Einsichten bezeichnen die Grundsätze ihrer Arbeit etwas nahezu Selbstverständliches: Jedes Kind hat sein eigenes Zeitmaß der Entwicklung. Seine Autonomie, Individualität und Persönlichkeit können sich entfalten, wenn es sich möglichst selbständig entwickeln darf.
Geborgen in sicheren, stabilen Beziehungen lernen Kinder, sich aus eigener Initiative, gemäß ihren Interessen zu bewegen und zu spielen. Kommunikation und Sozialverhalten entstehen im Dialog mit den Erwachsenen, wenn die kindlichen Signale verstanden und sinnvoll erwidert werden. Damit selbständiges Lernen möglich wird, müssen die Erwachsenen eine Umgebung gestalten, die den momentanen Bedürfnissen und Bestrebungen des Kindes entspricht.
Ähnlich wie bei Montessori ist die genaue Beobachtung des Kindes und das Wissen um die Abfolge der Entwicklungsschritte Grundlage der Pikler-Pädagogik. Nur dort, wo das Kind Interesse entwickelt, also zwischen den Forderungen aus der Umwelt und sich selbst eine Verbindung herstellt, kann es im eigentlichen Sinne lernen und das Gelernte integrieren.
Der Name Pikler steht für eine achtsame Haltung dem Kind gegenüber vom ersten Lebenstag an. Die Besonderheiten eines jeden Kindes sind zu berücksichtigen und im Umgang mit ihm seine Persönlichkeit zu wahren. Das Bedürfnis der Kinder, sich geistig und körperlich in ihrem Zeitmaß und ihren Interessen entsprechend zu entwickeln ist zu respektieren.

Die Forschung Emmi Piklers galt der selbständigen Aktivität im Säuglings- und Kleinkindalter: der aktiven und ungestörten Bewegungsentwicklung, dem eigenständigen Spiel, der Verbindung zwischen Bewegungs- und Spieltätigkeit. Sie erforschte die Stufen der Aufmerksamkeitsfähigkeit, als Grundlage des kognitiven Lernens.
 
 „Wesentlich ist, das das Kind möglichst viele Dinge selbst entdeckt. Wenn wir ihm bei der Lösung aller Aufgaben behilflich sind, berauben wie es gerade dessen, was für seine geistige Entwicklung das Wichtigste ist. Ein Kind, das durch selbständige Experimente etwas erreicht, erwirbt ein ganz andersartiges Wissen, als eines, dem die Lösung fertig geboten wird."                                                                                   Emmi Pikler
 
Emmi Pikler erkannte während ihrer Forschungen, dass eine Förderung (wie zu frühes hinsetzen, den Kindern stehen und gehen „beibringen„) die vielen notwendigen Übergangsstufen der Bewegungsentwicklung und die Zwischenräume zwischen den Entwicklungsschritten unberücksichtigt lässt. Dies läuft Gefahr, den Säugling in eine Bewegungsunsicherheit zu bringen, welche nicht selten zu muskulären Verspannungen, Haltungsschäden, Fußdeformitäten o.ä. führen kann. Auch die Qualität der Bewegungen, die durch unangemessene Förderung erlangt werden, ist wesentlich niedriger als die der Bewegungen, die einem Kind aus eigener Kraft und eigenem Antrieb gelingen. Diese Theorie deckt sich auch mit den heutigen praktischen Erfahrungen von Kinderärzten und Physiotherapeuten. So gelingt Kindern z. B. das Laufen nur bedingt, wenn die „niedrigeren“ Bewegungsmuster wie Robben, Krabbeln usw. nicht oder nur teilweise ausgeführt wurden. Die Kinder bewegen sich dadurch unsicherer, weil diese Erfahrungsbausteine fehlen, bzw. können nach dem Fallen schwerer aufstehen, weil sie es selten aus eigener Kraft und nach eigener Erfahrung durchführen konnten.
 
Wendet man dieses pädagogische und medizinische Konzept auf Kinder mit Entwicklungsverzögerungen an, wird man feststellen, dass gerade solchen Kindern ein höheres Maß an Aufmerksamkeit, Abwarten und Verstehen ihrer noch so kleinen Entwicklungsschritte zugute kommt. Das Kind braucht keine überfordernden Stimulationen, kein Lernprogramm, sondern eine strukturierte Umgebung, Bewegungs- und Spielangebote, die für das Kind erreichbar und verständlich sind. Die Erfahrungen und Erkenntnisse von Emmi Pikler ermutigen, mehr den selbständigen Bewegungsfähigkeiten des Kindes zu vertrauen. 
 
Zusammenfassung des Pikler-Konzepts:
 
- Respekt vor der Eigenaktivität des Kindes und die Unterstützung seiner selbständigen Tätigkeit z.B. durch die entsprechende Umgebungsgestaltung.
 
- Unterstützung einer stabilen persönlichen und vertraulichen Beziehung zwischen Kind und Betreuungsperson.
 
- Das Bestreben, dass sich jedes Kind angenommen und anerkannt fühlt, dass es seiner jeweiligen Entwicklungsstufe entsprechend ein Bewusstsein seiner Selbst und seiner Umgebung entwickelt.
 
- Förderung des optimalen körperlichen Wohlbefindens und der Gesundheit des Kindes sind Grundlage der Prinzipien und folgen aus der konsquenten Anwendung.